Die Deutung des Kadettengefechts in der Jubiläumsbroschüre der Zofinger Kinderfestkommission 2025

Erstellt von Mustafa Nasar

 

Die Deutung des Kadettengefechts in der Jubiläumsbroschüre der Zofinger Kinderfestkommission 2025

In ihrer Jubiläumsbroschüre aus dem Jahr 2025 stellt die Kinderfestkommission der Stadt Zofingen das Kadettengefecht als einen «Spiegel seiner Zeit»[1] dar. Indem sie das Gefecht als ein historisch gewachsenes Element legitimiert, weist sie darauf hin, dass die anhaltenden Debatten nicht als das Ende, sondern als eine behutsame Anpassung des Gefechts im Laufe der Zeit verstanden werden soll. 

Der Text benennt die militärischen Aspekte des Gefechts ausdrücklich, unterstreicht dabei allerdings den zunehmend inszenierten Charakter des Manövers. Die Freischaren treten als Gegenspieler der Kadetten auf, orientieren ihre Rollen am Zeitgeschehen und wandeln das Gefecht zu einer theatralischen Aufführung um, wodurch sich der Fokus vom martialischen Zweck hin zum traditionellen Brauch verschiebt.

Die erste grundlegende Kontroverse verortet die Broschüre nach dem Ersten Weltkrieg. Die Erfahrungen des Krieges führten dazu, dass militärisch geprägte Übungen als nicht mehr zeitgemäss galten. Die Kommission löst diesen Konflikt auf, indem sie zwar die kantonalen Bestrebungen zur Abschaffung des Manövers ausführlich beschreibt, jedoch darauf hinweist, dass der Versuch eines Ersatzprogramms in Form des Gewehrreigens weder die Kadetten noch die Bevölkerung überzeugte. Die Rückkehr zum traditionellen Gefecht erscheint dadurch als Ausdruck eines breiten lokalen Bedürfnisses nach Kontinuität.

Deutlich stärker fällt die Darstellung der Debatten seit den 1960er-Jahren aus. Die Broschüre macht grundsätzliche Fragen nach Pädagogik, Kinderrechten und gesellschaftlicher Akzeptanz sichtbar und dokumentiert ausführlich öffentliche Diskussionen, Leserbriefe und Reformforderungen. Das Gefecht gilt dabei als ein Symbol einer breiteren Auseinandersetzung mit den Werten, die ein Kinderfest (nicht) vermitteln soll.

Besonders ausführlich behandelt die Broschüre die Auseinandersetzungen der 1980er-Jahre. Sie zitiert scharfe Kritik der Friedensbewegung, wonach das Gefecht Kinder zu Gehorsam und einem positiven Verhältnis zum Krieg erziehe. Aber auch die Gegenposition erhält breiten Raum. Befürworter betonen, das Gefecht sei kein militärisches Ausbildungsinstrument, sondern ein Rollenspiel. Indem beide Positionen parallel aufgeführt werden, bemüht sich die Kommission um Ausgewogenheit. In der Gesamterzählung wird die Argumentation der Befürworter letztlich stärker integriert.

Der Text argumentiert, dass das Kinderfest stets reformfähig gewesen sei, wovon die zahlreichen Anpassungen über die Zeit zeugten: sportliche Elemente traten an die Stelle vormilitärischer Ausbildung, der militärische Unterricht wurde stark reduziert, der Kadettenunterricht freiwillig, Mädchen wurden schrittweise integriert und demokratische Mitbestimmung innerhalb des Kadettenkorps ausgebaut. Diese Reformen erscheinen als Beleg dafür, dass Kritik ernst genommen wurde, ohne die Tradition grundsätzlich aufzugeben.

Die Kommission vertritt den Standpunkt, dass sie die Kontroversen rund ums Kadettengefecht nicht als Bedrohung des Kinderfests, sondern als Antrieb seiner Weiterentwicklung verstehen. Sie konstruiert dadurch ein Verständnis, das diesen Programmpunkt nicht als Ausdruck militärischer Erziehung, sondern als historisch gewachsenes Kulturgut mit spielerischem Charakter und somit als eine Geschichte erfolgreicher Anpassung deutet. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Broschüre eine integrative Deutung verfolgt. Sie dokumentiert Konflikte, rahmt sie aber gleichzeitig auf eine Weise, dass sie die Legitimität des heutigen Kadettengefechts stützen. Das Gefecht erscheint daher nicht als Relikt eines militaristischen Weltbildes, sondern als ein Brauch, dessen Fortbestand insbesondere durch Reformen und die Fähigkeit zur gesellschaftlichen Anpassung gesichert werden konnte.

 

 
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